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Psychotherapie, psychologisches Coaching und Beratung

Streichen Sie „Hätte“!

Hätte

Hätte, hätte – Sie wissen schon. Wie häufig benutzen Sie dieses Wort, wenn Sie auf Ihre Vergangenheit schauen? Auf Entscheidungen, die Sie bedauern, Schritte, die Sie heute – mit Ihrem jetzigen Bewusstsein – in eine andere Richtung gesetzt hätten?

Dass wir dann und wann mal mit bedauerndem Blick nach hinten schauen, ist nicht ungewöhnlich, doch es kommt dabei auf ein paar Faktoren an, damit dieses kleine fiese Wort uns nicht blockiert und bremst.

Wenn ein „Hätte“ uns in Selbstzweifel versenkt, wenn wir anfangen, mit uns zu hadern, streng mit uns zu werden à la „Warum hab ich damals bloß … hätte ich doch nur …“, dann wird „Hätte“ zum machtvollen Instrument unseres inneren Kritikers, mit dem er oder sie uns klein macht, runtermacht, ausbremst.

In einer Fortbildung habe ich mal die Worte gehört: „HÄTTE ist tot!“ – und das trifft es ziemlich gut in meinen Augen. Es geht nicht darum, nicht mehr zu reflektieren, nicht aus Fehlern zu lernen, kein Fazit zu ziehen.

Es geht um das, was bei einigen Menschen danach kommt: Hadern. Fange ich an zu hadern, dann vergeude ich meine Zeit. Das Ding ist durch, der Drops ist gelutscht, ich kann es nicht mehr ändern, ich habe keinen Einfluss mehr darauf.

Worauf ich einen Einfluss habe, ist mein Umgang damit. Dazu gehört auch, versöhnlich mit mir zu sein. Mit Anfang Zwanzig haben Sie Entscheidungen gefällt – für einen Mann, einen Job, eine Ausbildung, die Sie heute mit Kopfschütteln betrachten? Dann überlegen Sie doch einmal, wer Sie damals waren. Wie Ihr Erfahrungshorizont zu dem Zeitpunkt war, wie sehr Sie bei sich waren, wie selbstbewusst Sie zu dem Zeitpunkt waren?

Und wenn Sie all das berücksichtigen und sich wirklich einmal in diese Person hineinversetzen, die Sie damals waren – können Sie etwas Mitgefühl entwickeln? Können Sie sich akzeptieren, so wie Sie damals waren? Das ist es nämlich, was uns vorm Hadern bewahrt: Akzeptanz und Verständnis.

Sie vermeiden Hadern, wenn Sie es schaffen zu sagen: „Würde ich aus der heutigen Situation heraus nicht mehr so entscheiden“, und für den Menschen, der Sie zu dem Zeitpunkt waren, mit dem, was Sie damals über sich und die Welt wussten, Nachsicht und Verständnis aufzubringen: „Ich konnte es nur so entscheiden. Ich wusste es nicht besser, ich hatte noch nicht das Selbstvertrauen, die Weitsicht, die Stärke“.

Nehmen Sie Ihre Abbiegungen, betrachten Sie sie als das, was sie sind: Vergangenheit, die Sie nur passiv werden lässt, wenn Sie sich über sie grämen.

Alles, was Sie haben, ist jetzt – darüber haben Sie die Macht. Streichen Sie „Hätte“!

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