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Psychologische Beratung & Psychologisches Coaching

Loslassen

Loslassen

Hätte, hätte Fahrradkette. Hätte ich doch diesen Job nicht angenommen, hätte ich doch diesen Mann, diese Frau nie kennengelernt. Wer kennt das nicht – diese Grollschleife, die wir immer wieder durchlaufen mit quälenden Gedanken was wir getan oder nicht getan haben? Loslassen? Unvorstellbar.

Besonders, wenn wir unzufrieden sind mit unserem Leben, suchen wir den Grund dafür in der Vergangenheit, gern die Schuld dafür auch bei anderen. Zum Beispiel: „Weil er/sie mich betrogen hat, geht es mir jetzt so, hätte ich ihm oder ihr doch nie vertraut …“

Eine Erleichterung kann der Blick in die Vergangenheit im ersten Schritt bringen – wenn wir uns erklären können, warum wir uns so fühlen, wir uns immer wieder so oder so entscheiden, wenn wir mal benennen dürfen, dass jemand uns verletzt und damit Spuren hinterlassen hat. Doch wenn wir darin verweilen, dann rutschen wir in eine Passivität, die es uns nicht möglich macht, unser Leben aktiv zu gestalten – dann gehen wir im Problem spazieren anstatt nach Lösungen zu suchen.

Loslassen erfordert Mut

Unendliche Runden die Vergangenheit durchzukauen ist Zeitverschwendung. Hadern lähmt, „hätte“ ist vorbei, mich damit aufzuhalten bringt nur eins: Selbstsabotage. Mit „Hätte“ muss ich mich nicht mehr beschäftigen, „Hätte“ darf gehen. Doch „Hätte“ gehen zu lassen, kann auch Mut erfordern. Denn wenn ich die Enttäuschung loslasse, wenn ich die Entschuldigung dafür loslasse, warum ich seit fünf Jahren keine Beziehung mehr eingehe – dann steht da plötzlich ganz sichtbar die Angst vor mir. Die Angst davor, dass so etwas noch einmal passieren könnte. „Ich möchte nicht wieder verletzt werden“. Den Wunsch kann ich gut verstehen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass das Leben ALLES bereithält, die ist recht hoch.

Wenn wir Menschen begegnen, wenn wir Gefühle fühlen, dann werden wir lieben, geliebt werden, wir werden enttäuscht und verletzt werden – und wahrscheinlich selbst auch enttäuschen und verletzen. Trage ich eine Rüstung, die das Schlimmste abwehren soll, werde ich mein Leben lang andere nur durch ein Visier sehen, Berührungen nur mit einer Schicht dazwischen spüren können.

Klientin: „Ich bin traurig, weil ich seit vielen Jahren keine Beziehung habe. Vor vier Jahren hat mich mein Freund betrogen – und seinetwegen vertraue ich seitdem niemandem mehr.“

Ich: „Warum nicht?“

Klientin: „Weil ich nicht wieder verletzt werden möchte“

Ich: „Was wäre denn dann, wenn Sie wieder verletzt werden würden?“

Klientin (irritiert): „Naja – dann geht es mir schlecht. So möchte ich mich nicht fühlen.“

Ich: „Und wie geht es Ihnen jetzt?“

Klientin: „Auch nicht gut.“

Kennen Sie solche Gefühle und Gedanken? Befinden Sie sich eventuell in einer ähnlichen Situation und fällt Ihnen das Loslassen schwer? Dann habe ich ein paar vielleicht hilfreiche Gedanken für Sie:

Gedanke 1:
Sie hatten das Pech, einem Menschen zu begegnen, der es mit der Ehrlichkeit nicht so hat. Das ist ätzend, ja das tut weh. Nun hat er ihnen nicht nur weh getan – Sie geben ihm auch noch die Macht über ihr Beziehungsleben, über Ihre Gefühle für die nächsten JAHRE! Wollen Sie das wirklich?

Gedanke 2:
Die gute Absicht Ihrer Vertrauensblockade ist ja: Sie wollen sich vor erneutem Schmerz schützen. Doch ich kann Ihnen hier und jetzt sagen: Das funktioniert sowieso nicht.

Es könnte sein, dass Sie es nach fünf Jahren mal wieder wagen, jemandem zu vertrauen und: Dass Ihnen das nochmal passiert. Muss es natürlich nicht, vielleicht geht auch alles gut.

Der Punkt ist aber: Sie können sich vor Schmerz nicht schützen, es sei denn, Sie ziehen auf eine einsame Insel.

Sie können sich nur entscheiden – WIILL ich wieder vertrauen? Oder will ich mich dem, wie sich ein anderer Mensch mir gegenüber verhalten hat, ergeben – und davon mein Leben bestimmen lassen? Will ich wirklich das Verhalten eines Menschen zur Regel für mein Leben machen?

Gedanke 3:
Schmerz zu vermeiden ist eine anstrengende Strategie. Sie macht uns vorsichtig, misstrauisch, ängstlich. Wir verpassen das Beste, nur um etwas Schlechtes nicht zu erleben. Doch – denken Sie die Angst mal zu Ende. WAS genau möchten Sie vermeiden? Die verletzten Gefühle von damals? Dann frage ich Sie nun: Was war denn noch so in den letzten fünf Jahren los bei Ihnen, ging es Ihnen da auch mal gut? Ah, sogar richtig gut. Glücklich waren Sie auch hin und wieder?

Dann haben Sie es überstanden, das von damals, richtig? SIE HABEN ES ÜBERSTANDEN. Sie werden es auch wieder überstehen. Sie dürfen loslassen, Sie können es wagen, ein Risiko einzugehen, denn Ihre Resilienz wird Ihnen dabei helfen, wieder auf die Füße zu kommen. Sie können sich vertrauen.

Und das ist der eigentliche Punkt: Wir können das Leben nicht kontrollieren, wir können nicht davon ausgehen, dass Vertrauen immer belohnt wird. Aber wir können in UNS vertrauen, dass wir in der Lage sein werden, mit dem, was uns begegnet, umzugehen. Das ist die einzige wirkliche Sicherheit, die wir haben. Und die wir brauchen.

 

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